Zum Inder

  1020 Wien, Praterstraße 57
  +43 1 216 21 96
  Täglich 11-15 und 18-23 Uhr.

Einer der ältesten Inder Wiens; laut Restaurant-Homepage wird hier schon seit 25 Jahren indische Küche serviert; ich dachte immer, das Lokal sei sogar schon älter, weil es ein leichtes 70er Jahre-Retro-Flair verströmt, und man irgendwie das Gefühl hat, dass es den "Inder" immer schon gegeben haben muss. Apropos "Inder": Das Lokal heißt möglicherweise nicht deshalb so, weil es ein indisches Restaurant ist, sondern weil der Besitzer mit Vornamen "Inder Pal" heißt (ist unter Sikhs nicht so unüblich und bezieht sich auf den Gott Indra).

Lange Jahre war der "Inder" ein relativ durchschnittliches Restaurant, das bei mir keine große Begeisterung auslöste; als ich ihn 2014 nach 12jähriger Pause wiederentdeckt habe, fiel mir zunächst nur die neue, kleinere Speisekarte auf. Und dann, dass das Essen einfach nur großartig schmeckte.

Der "Inder" hatte sich tatsächlich zu einem der besten indischen Restaurants in Wien gewandelt!

Mein Chicken Masala kam in einer etwas dünneren Sauce als erwartet – ganz genau so, wie ich sie am liebsten mag. Sie hatte eine erstaunlich bissige, aromatische Chili-Ingwer-Note über einem angedeuteten Tomatenaroma, wirklich sehr fein und in einer Art, wie ich sie noch bei keinem anderen Inder in Wien bekommen habe. Ganz ganz großartig auch sowohl das Beef Chili als auch das Beef Madras: beides intensiv und wundervoll vielschichtig gewürzt und ersteres auch wirklich "sehr scharf" wie in der Karte versprochen; gehörte zum Besten, was ich jemals in Wien bei einem Inder gegessen habe.

Auch vegetarisch überzeugten die intensiv schmeckenden, kompromisslos gewürzten Okra genauso wie die Melanzani oder die mit fruchtiger Tomatensauce servierten Bombay-Aloo. Einfach nur lecker.

Wunzigkleine, aber gut gewürzte Samosas (mit exzellentem Zwiebel-Chutney), das Naan-Brot war etwas flach, nicht allzu flaumig und erinnerte eher an Roti.

Die Köchin scheint die Frau des Chefs zu sein. Ob sie auch gekocht hat, als es mir hier noch nicht geschmeckt hat, weiß ich nicht, aber derzeit macht sie ihre Sache sehr gut. Einziges Manko: sie hat leichte Formschwankungen. Das Essen ist manchmal absolut fabulös, machmal aber auch einfach nur sehr gut.

Streiten kann man hier nur über die Portionsgröße - manchen wird sie reichen, manchen nicht, und ich hätte allein schon deshalb gerne mehr, weil es so unglaublich gut schmeckt. Überessen tut man sich hier jedenfalls nicht, satt wird man allerdings schon. Ein Vorspeise ist trotzdem eine Überlegung wert.

Das Ambiente: wie gesagt, unprätentiös mit Patina und leichtem Retro-Schick. Manche könnten das schmuddelig finden, aber ich mag das. Nicht wirklich luxuriös, aber auf leicht anachronistische Art gemütlich.

An der Bedienung gibt es nichts auszusetzen, das macht der Chef selbst, unaufgeregt und mit großer Routine. Was mir gefällt: Er fragt nicht "Wie scharf?", sondern nur "Scharf?" (womit er sicher besser abchecken kann, wie scharf es der Gast gern hätte), und wenn man dann "sehr scharf" sagt, dann kommt es auch wirklich sehr scharf.

Vorspeisen ab € 3; Hauptspeisen ohne Beilage vegetarisch ab € 8, mit Fleisch ab € 11.
Gedeck wird nicht extra verrechnet.

Essen:
hervorragend
Bedienung:
sehr gut
Ambiente:
gut
Preis / Leistung:
gut
Schärfegrad eines "sehr scharf" bestellten Hauptgerichts: sehr scharf (sehr scharf)
Gesamteindruck: sehr gut (sehr gut)

Artikel basiert auf mehr als 10 Besuchen, zuletzt im März 2016.

Wichtiger Hinweis: Die Bewertungen geben nur meine persönliche Meinung und meinen persönlichen Geschmack wieder.
Alle Angaben, besonders Preise und Öffnungszeiten, galten zum Zeitpunkt meines letzten Besuches und sind ohne Gewähr!