Shalimar

  1060 Wien, Schmalzhofgasse 11
  +43 1 596 43 17
  Mo 18.00-23.30 Uhr; Di-So 11.30-14.30 und 18.00-23.30 Uhr.

Kaum zu fassen: Das Shalimar gibt es bereits seit 1973, das ist länger, als z.B. Khan's in London existiert. Es ist damit zwar nicht das erste, aber mittlerweile das am längsten bestehende indische Restaurant in Wien. Vor einiger Zeit war es vorübergehend geschlossen, wurde zum Glück aber wieder eröffnet und dabei einem kleinen Relaunch unterzogen, denn der Koch scheint neu zu sein und macht seine Sache sehr gut.

Nach wie vor sind die Saucen der Currygerichte hier etwas dünnflüssiger als anderswo; im Gegensatz zur Konsistenz sind sie geschmacklich jedoch alles andere als wässrig. Vielleicht eine Spur dezenter, aber mit einer ziemlichen Vielfalt an Aromen. Auch wenn sie leichten Schwankungen unterworfen ist (siehe unten), ist die momentane Küche im Shalimar die beste, die dieses Restaurant jemals geboten hat, und es darf sich zu den besten indischen Restaurants in Wien zählen, auch weil - wie in den anderen Lokalen, die ich zu den besten zählen würde - der Stil der Küche einen eigenen Charakter hat, der sich nur hier findet.

Die Namen der Gerichte auf der Karte erinnern eher an nordindische Restaurants, die Zubereitung kam mir allerdings südindisch vor, nicht nur wegen den Curryblättern und dem zarten Kokosaroma, das sich hier und dort fand. Da die Karte auch Idli und Masala Dosa enthält, gehe ich davon aus, dass der Koch eher von weiter südlich kommt. Das Madras erinnerte mich nur sehr wenig an die in Sheffield erfundene Variante, und dem Vindaloo würde ich sofort abnehmen, dass es eine authentische Umsetzung des portugiesischen Eintopfs aus in Essig eingelegtem Schweinefleisch ist. "Sehr scharf" bestellt kam zwar nur mittelscharf, aber gut nuanciert und ohne Chilipulver-Geschmack.

Dazu kommt das Ambiente des Restaurants, das in seiner Gepflegtheit in Wien ziemlich unübertroffen ist. Besonders der "Rajasthan-Raum" hat es mir angetan - einen besseren Raum für ein romantisches indisches Candlelight-Dinner gibt es in Wien ganz einfach nicht. Aber auch der "Benares-Raum" und der "Mogul-Raum" verströmen gepflegten Kolonialstil. Und als ob das nicht schon fein genug wäre, gibt es im Sommer auch noch einen wunderschönen Gastgarten im Innenhof.

Die Bedienung war zuletzt leider etwas unaufmerksam; über fünf Minuten Wartezeit auf die Speisekarte, zwischendurch für längere Zeit kein Kellner in Sicht, ein bestelltes, nie gebrachtes, aber trotzdem verrechnetes Getränk - das wäre früher hier nicht vorgekommen und schmälert den sonst positiven Eindruck.

Auch der Koch scheint in sehr unterschiedlicher Form zu sein, denn die Madras-Platte, die ich dort in den letzten sechs Monaten drei Mal bestellt habe, war jedes Mal so unterschiedlich, dass es sich entweder um verschiedene Rezepte oder um verschiedene Köche gehandelt haben muss. Einmal davon war leider auch zu fett und quasi ungewürzt, ein anderes Mal allerdings perfekt und ganz extrem gut. Insgesamt spielt das Essen hier aber in der Wiener Oberklasse - mit Curries in Großbritannien kann es, wie fast alle Inder in Wien, natürlich nicht mithalten.

Die Rechnung kommt nach wie vor in der Schatzkiste, aber wenn man eine der 2-Personen-Platten mit Vorspeise, 3 Hauptspeisen und 2 Beilagen bestellt, ist man ab € 16 pro Person dabei, was, auch angesichts der gebotenen Qualität, absolut keinen Schrecken beim Betrachten der Rechnung auslöst.

Vorspeisen ab € 3,50; Hauptspeisen ohne Beilage vegetarisch ab € 8, mit Fleisch ab € 11.
Gedeck € 1,50.

Essen:
sehr gut
Bedienung:
okay
Ambiente:
einzigartig
Preis / Leistung:
sehr gut
Schärfegrad eines "sehr scharf" bestellten Hauptgerichts: scharf (scharf)
Gesamteindruck: sehr gut (sehr gut)

Artikel basiert auf 9 Besuchen, zuletzt im April 2016.

Wichtiger Hinweis: Die Bewertungen geben nur meine persönliche Meinung und meinen persönlichen Geschmack wieder.
Alle Angaben, besonders Preise und Öffnungszeiten, galten zum Zeitpunkt meines letzten Besuches und sind ohne Gewähr!