Samrat

  1080 Wien, Florianigasse 20
  +43 1 408 47 41
  Mo-Sa 11.30-14.30 und 18.00-23.30 Uhr. So geschlossen.

"Essen Sie bei mir, sonst verhungern wir beide." Das hat Harpreet Singh, Besitzer des Samrat, auf die Kreidetafel vor seinem Restaurant geschrieben. Ob das ein Ausdruck indischen Humors ist oder ob seine finanzielle Lage wirklich kritisch ist, weiß ich nicht. Letzteres sollte eigentlich nicht der Fall sein, so gut wie es hier schmeckt. Andererseits denkt man sich an manchen Tagen schon, dass das Lokal eigentlich mehr Gäste verdient hätte.

Vielleicht liegt es an der Inneneinrichtung, die weder cool noch super-heimelig ist? Da gibt es zwar indische Paraphernalia, null Kitschfaktor, aber gemütlich wird es erst, wenn es draußen dunkler und der Raum ein bisschen schummriger wird.

An der Bedienung kann es auch nicht liegen. Der Chef ist, wenn er selbst bedient, zwar mitunter ein wenig sehr jovial (was bei den Stammgästen gut ankommt, manche Neukunden aber etwas verwirrt), aber zumeist bedient ein Kellner, der die Verkörperung von kompetentem Understatement ist: unaufdringlich, aber aufmerksam, zurückhaltend, aber bestimmt, macht einen sehr professionellen Eindruck, und man fühlt sich in guten Händen. Absolutes Plus.

Schließlich die Küche, die trotz einiger Kochwechsel beständig auf sehr hohem Niveau geführt wird. Beim derzeitigen Koch hilft es, wenn man die nordindisch-cremige Küche mag, denn das wird hier in absoluter Perfektion geboten. Ich mag es gern ein bisschen weniger cremig, aber sogar ich muss anerkennen, dass es hier ganz verdammt gut schmeckt. Vor allem ist das Essen würzungsmäßig perfekt ausbalanciert. Tikka Masala, Madras, Jalfrezi, Rogan Josh - alles sehr sehr lecker und hinterlässt ein ziemliches Glücksgefühl. Die Samosas sind riesig und haben eine ganz ausgezeichnet gewürzte Füllung, auch wenn der Teig außen vielleicht ein wenig trocken ist. Und "Sehr scharf" bestellt kommt mit einer ordentlichen Schärfe, die diese Bezeichnung absolut verdient.

Leider offenbart sich beim Essen, dass die Cremigkeit auch sehr sättigend ist - nimmt man auch eine Vorspeise, so ist die Kapazität des Magens möglicherweise erreicht, bevor die durchaus großzügig bemessene Hauptspeise verspeist ist. Außerdem wird bei manchen Gerichten etwa eine Stunde nach dem Essen offenbar, dass in einigen Saucen doch eine größere Menge Knoblauch drinnen ist. Müsste ich sonst etwas bemängeln, dann vielleicht den freigiebigen Umgang mit Butter-Ghee - da sowohl Reis als auch Naan sehr intensiv danach riechen und schmecken, sollte man eher nur eins von beiden bestellen.

Diätessen ist das hier jedenfalls keines: wer hierher essen kommt, wird - siehe Kreidetafel - sicher nicht verhungern, aber möglicherweise seine Badezimmerwaage etwas mehr belasten. Insgesamt sicherlich einer der besten Inder in Wien, eine unbedingte Empfehlung.

Mittagsbuffet gibt es übrigens auch, aber davon sollte man sich nicht in die Irre führen lassen: das ist zwar auch gut, lässt aber geschmacklich nicht einmal annähernd erahnen, welche Fähigkeiten der Koch à la carte hat.

Vorspeisen ab € 3,80, Hauptspeisen ohne Beilage vegetarisch ab € 9, mit Fleisch ab € 10,50.
Gedeck € 1.

Essen:
sehr gut
Bedienung:
Spitzengastronomie
Ambiente:
sehr gut
Preis / Leistung:
hervorragend
Schärfegrad eines "sehr scharf" bestellten Hauptgerichts: sehr scharf (sehr scharf)
Gesamteindruck: hervorragend (hervorragend)

Artikel basiert auf mehr als 10 Besuchen, zuletzt im Juni 2017.

Wichtiger Hinweis: Die Bewertungen geben nur meine persönliche Meinung und meinen persönlichen Geschmack wieder.
Alle Angaben, besonders Preise und Öffnungszeiten, galten zum Zeitpunkt meines letzten Besuches und sind ohne Gewähr!